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Gute Filme, lahmer Start
Gestern gegen 19:00 Uhr war es soweit – die Filmvorführungen des „Ohne Kohle“-Festivals starteten mit der „langen Nacht der langen Filme“. „Pünktlich“ um 19:30 (*hüstel*) fand ich mich im NMR (Neutor Medienraum, Neutorgasse 13, 1010 Wien) ein. Trotz meiner Verspätung war ich einer der ersten – und schon schwante mir Böses. Diese Hitze ist nicht gut für das Filmfestival.
Vom ersten Film, „The Wake“, war ich ehrlich gesagt überfordert. Das hat aber nichts mit der Qualität des Films zu tun. Bei vielen Filmen – vor allem Blockbustern – kann man mitten im Film ins Kino gehen und hat trotzdem nichts Wichtiges versäumt. Nun platzte ich mitten in die 90-minütige Tragikomödie von Paul Williams hinein – und brauchte erst einmal ziemlich lange, bis ich mich zurecht fand. Die Schauspieler agierten sehr gut und bei den einzelnen, für sich genommenen Handlungssträngen konnte man sehr gut lachen. Aber wie die ganzen Episoden zueinander standen, das verschloss sich mir für sehr lange Zeit. Memo an mich: Das nächste Mal pünktlich kommen.
Es folgte eine wilde Mischung von internationalen Filmen, auf die ich hier nicht so detailliert eingehen möchte. Auch die Bezeichnung „lange Nacht der langen Filme“ war sehr irreführend. Nach „The Wake“ folgten nämlich eine Menge Kurzfilme, von denen einige eben kurze, andere etwas länger (20 bis 30 Minuten) waren - aber eben kein richtiger Langfilm Trotzdem wurde man recht gut unterhalten – vom Trashfilm („Feinddezimierer“ von Ralf, Roland und Lars Henze, „The Hacky Challenge“ von Erich Reinhardt) bis hin zu „Hochglanzproduktionen“ („Noir Total“ von Fraoncois Jamin, „El Ultimo Alquimista“ von Nicolas Caicoya) gab es viel zu sehen. Vor allem spanische Filme fielen durch ihre Qualität auf. „Ohne Kohle“-Co-Direktor Norman Kathi erklärte, dass es in Spanien anscheinend eine sehr starke Kurzfilmförderung gäbe. Sehr viele der von dort eingereichten Filme wiesen auffällig oft das gleiche Budget in Höhe von 30.000,- Euro auf.
Besonders hängen geblieben ist der französische Thriller „Noir Total“ von Francois Jamin, eine wirklich boshafte Geschichte über einen Mann, der nach einem Hangover in einer fremden Wohnung in einer fremden Stadt aufwacht und in der Badewanne eine Leiche findet. Dabei kann er sich überhaupt nicht an letzte Nacht erinnern. Ein flüchtiger Bekannter will ihm nur gegen viel Geld bei der Entsorgung der toten Frau helfen.
Auch der im Gangstermilieu spielende Film „Once Upon A Time In Germany“ glänzte mit überraschenden Wendungen. Der Genre-Film von Oliver Kienle ist eine krude „Film noir meets Western meets deutschtürkische Community“ – und Einflüsse von Quentin Tarantino lassen sich auch nicht abstreiten.
Fazit: Im Großen und Ganzen eine wilde, aber interessante Film-Mischung. Dennoch wollte sich im NMR nicht so wirklich eine Kino-Stimmung einstellen. Die Hitze machte nicht Lust auf Kino; im Nebenraum, der als Café fungierte, spielte Musik und wurden Cocktails ausgeschenkt – und das Publikum (zu Spitzenzeiten höchstens 15) bekam eine Liste mit Filmen (ohne Inhaltsangaben) in die Hand gedrückt, die gespielt werden sollten – Reihenfolge gab es keine. Da fühlte man sich irgendwie allein gelassen und wusste nicht recht, auf was man sich einstellen sollte. Ein bisschen Erklärung oder eine Einführung in den Abend seitens der Organisatoren wären hier vonnöten gewesen. Gegen 24:00 Uhr verabschiedete ich mich. Das „Open End“ konnte ich mir beim besten Willen nicht antun. Mal schauen, wie die Abende im Filmcasino ablaufen.
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